Archive for April, 2010

gogatsu-byô – Die Maikrankheit

Freitag, April 9th, 2010

In Japan beginnt, wie wir ja schon in einem der vorigen Einträge gelesen haben, das neue Schuljahr im April. Aber nicht nur das! Auch die Uni oder eine neue Arbeitsstelle, sogar so etwas wie ein Fernkurs oder eine Vereinsmitgliedschaft beginnen im April. Dieser Monat ist besonders für viele Schulabgänger und Uniabsolventen eine Zeit, in der sie mit großen Hoffnungen und voller Eifer in ihr neues Leben starten und mit Freude eine tolle Zukunft erwarten.

Doch dann kommt es meist doch nicht so, wie man es erwartet hat. In der Uni überhäufen sie einen mit Prüfungen und administrativen Aufgaben, der Arbeitsplatz ist doch viel stressiger – oder langweiliger – als man es sich vorgestellt hatte, der neue Tanzkurs macht doch nicht so viel Spaß. Dazu kommt noch, dass die ganze Nation eine ganze Woche Urlaub hat, da sich Anfang Mai in der so genannten „Golden Week“ ein Feiertag an den nächsten reiht. Eine ganze Woche, um über die Anstrengungen der neuen Tätigkeit zu reflektieren. Und die Sommerferien fühlen sich auch noch so weit entfernt an.

Einige Menschen fallen also in eine kleine Depression darüber, dass nichts so läuft, wie sie es sich ausgemalt hatten, verlieren ihren Eifer und leider auch ihre Motivation. Die Leute sind müde, bei Studenten kann es zum Abbruch des Studiums kommen, auch die Selbstmordrate steigt in dieser Zeit kurzfristig an. Diese „Krankheit“ nennt man in Japan gogatsu-byô, die Maikrankheit.

Die Frühjahrsmüdigkeit, nachdem man mit Elan in das neue Jahr gestartet war, die noch dazu mit Heuschnupfen einhergeht, kennt man im deutschsprachigen Raum durchaus auch. Lasst also nicht mit Euren Bemühungen nach und genießt den Mai genauso wie den April!

Karaoke

Donnerstag, April 1st, 2010

In Deutschland kennt man Karaoke vor allem aus sogenannten „Karaoke Bars“: Kneipen, in denen auf einer Bühne eine Karaoke-Maschine steht und jemand vor allen Anwesenden, Freunden genauso wie Unbekannten, zu mittelmäßiger instrumentaler Hintergrundmusik Schlager singt und dabei den Text von einem kleinen Fernseher abliest. In Japan, das Land, dem wir diese wunderbare Erfindung verdanken, sieht Karaoke-Singen ganz anders aus:

Man trifft sich mit ein paar Freunden oder verabredet sich zu einem Date und mietet für einen Stundenpreis einen kleinen Raum, „Karaoke-Box“, der mit Sofas, Couchtischen, einem riesigen Fernseher (für den Text und das zum Lied gehörende Musikvideo) und einer digitalen high-tech Karaoke-Maschine ausgestattet ist. In dieser intimen Atmosphäre kann jeder ausgelassen singen, es hört ja außer den Freunden keiner!

Statt der vielleicht 1000 Lieder, die in Deutschland auf Karaoke-Maschinen zu finden sind, gibt es auf japanischen Maschinen weitaus mehr. Um einen guten Song zu finden, blättert man in einem der Kataloge, die jeweils so dick sind wie 2 Telefonbücher zusammen, in denen sowohl japanische, als auch internationale Künstler und ihre Lieder aufgeführt werden.

Für alle, die es noch nicht wussten: Der Begriff „Karaoke“ setzt sich aus zwei Wörtern zusammen, nämlich dem japanischen Wort „kara“, welches auf Deutsch „leer“ bedeutet, und einer Abkürzung des englischen Worts „orchestra“ (auf Japanisch ôkesutora ausgesprochen). Der Erfinder der ersten Karaoke-Maschine von 1971 heißt Daisuke Inoue und erhielt im Jahr 2004 für seine Erfindung den Friedens-Ig-Nobelpreis.

Frühstück in Japan

Donnerstag, April 1st, 2010

Wer schon einmal in Japan war und im Hotel oder Gasthaus „Japanisches Frühstück“ bekommen hat, weiß, dass darunter etwas Ungewöhnliches zu erwarten ist.  Tatsächlich sieht so ein japanisches Frühstück ganz anders aus, als ein deutsches. Obwohl sich beim näheren Hinsehen auch Unterschiede zwischen dem süd- und norddeutschen Frühstück finden lassen, würde hier keiner auf die Idee kommen, Suppe oder Reis zum Frühstück zu essen.

Ein traditionelles Frühstück in Japan unterscheidet sich kaum von den anderen Tagesmahlzeiten. Es gibt Miso-Suppe, Reis, Fisch und eventuell sogar Reste vom Abendessen am Vortag. Was bei einem gesunden Frühstück natürlich nicht fehlen darf, ist grüner Tee und Nattô – fermentierte Sojabohnen. Die werden nach eigener Vorliebe mit Sojasauce, Senf oder anderen Zutaten gewürzt und mit Reis gegessen. Die etwas schleimige Konsistenz und die Fäden, die das Nattô meist zeiht, machen das Essen mit Stäbchen zu einem echten Kunststück.

Natürlich kann man in Japan aber auch Cornflakes mit Milch oder Toast und Croissants mit Marmelade finden. Allerdings kann es sein, dass einem dazu noch ein Salat serviert wird. Generell wird aber morgens reichlich gefrühstückt, um so gut in den Tag starten zu können.