gogatsu-byô - Die Maikrankheit


In Japan beginnt, wie wir ja schon in einem der vorigen Einträge gelesen haben, das neue Schuljahr im April. Aber nicht nur das! Auch die Uni oder eine neue Arbeitsstelle, sogar so etwas wie ein Fernkurs oder eine Vereinsmitgliedschaft beginnen im April. Dieser Monat ist besonders für viele Schulabgänger und Uniabsolventen eine Zeit, in der sie mit großen Hoffnungen und voller Eifer in ihr neues Leben starten und mit Freude eine tolle Zukunft erwarten.

Doch dann kommt es meist doch nicht so, wie man es erwartet hat. In der Uni überhäufen sie einen mit Prüfungen und administrativen Aufgaben, der Arbeitsplatz ist doch viel stressiger – oder langweiliger – als man es sich vorgestellt hatte, der neue Tanzkurs macht doch nicht so viel Spaß. Dazu kommt noch, dass die ganze Nation eine ganze Woche Urlaub hat, da sich Anfang Mai in der so genannten „Golden Week“ ein Feiertag an den nächsten reiht. Eine ganze Woche, um über die Anstrengungen der neuen Tätigkeit zu reflektieren. Und die Sommerferien fühlen sich auch noch so weit entfernt an.

Einige Menschen fallen also in eine kleine Depression darüber, dass nichts so läuft, wie sie es sich ausgemalt hatten, verlieren ihren Eifer und leider auch ihre Motivation. Die Leute sind müde, bei Studenten kann es zum Abbruch des Studiums kommen, auch die Selbstmordrate steigt in dieser Zeit kurzfristig an. Diese “Krankheit” nennt man in Japan gogatsu-byô, die Maikrankheit.

Die Frühjahrsmüdigkeit, nachdem man mit Elan in das neue Jahr gestartet war, die noch dazu mit Heuschnupfen einhergeht, kennt man im deutschsprachigen Raum durchaus auch. Lasst also nicht mit Euren Bemühungen nach und genießt den Mai genauso wie den April!

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